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Wie bin ich gestrickt?

Ich erinnere mich sehr gerne an die wunderschönen selbstgestrickten Pullover meiner Mutter. Für uns Kinder entstanden jedes Jahr aufs Neue dicke Wollsocken, warme Pullover, Hauben, Fäustlinge und kunstvolle Strickjacken. Es faszinierte mich ihr dabei zuzusehen, wie unter ihren flinken Händen ein neues Kleidungsstück entstand. Masche um Masche, Reihe um Reihe, Stück für Stück entwickelte sich ein Kunstwerk nach dem anderen. Ihre Kreativität kannte keine Grenzen; immer wieder neue Muster entstanden.

Ich vergleiche diese Strickmuster sehr gerne mit meiner inneren Welt. Welche Masche brachte mich wo hin? Eine glatt, eine verkehrt…. Am Anfang, ganz rechts unten begann mein Lebensfaden. Er bahnte sich unbeirrbar, Masche für Masche seinen Weg. Zuerst waren meine Eltern und hier vor allem meine Mutter, die Künstler; später ich selbst. Und immer wieder kreuzte die Außenwelt meine innere Strickwelt. Die Außenwelt ist eine Unendlichkeit aus möglichen Sinneseindrücken (damit erforschen wir die Welt) und wir können nur einen kleinen Teil dieser Welt wahrnehmen. Es entsteht ein Stück des Pullovers (Pullover=unsere Wirklichkeit=unser Leben) und darin befinden sich unsere einzigartigen bis dorthin gemachten Erfahrungen, Glaubenssätze, Einstellungen, Werte, Interessen und auch Annahmen. Ab und an kann eine Masche auch herunterfallen und daraus entsteht ein Loch, eine Verstrickung.

Jeder Mensch lebt in seiner einzigartigen Welt, weil ja jeder anders gestrickt ist, er hat andere Sinneseindrücke und individuelle Lebenserfahrungen gemacht und so gehandelt, wie sein Pullover, seine Maschen zusammengesetzt wurden. Jeder hat sein eigenes Modell angefertigt und handelt nach seinem Muster.

Die Welt ist so unermesslich und reich, dass wir Menschen sie vereinfachen müssen. Die Reize sind zu viele, darum geben wir unserer Welt viel mehr Bedeutung. Was nimmt mein Pulloverstück wahr und was will ich in meinem Leben erreichen? Wir richten unsere Aufmerksamkeit auf jene Aspekte der Welt, die uns interessieren und ignorieren andere. Die Welt ist immer reicher als die Gedanken, die wir über sie haben. Die Pulloverstücke, die wir unserer Wahrnehmung/Wirklichkeit überziehen, bestimmen, in welcher Art Welt wir leben.

Ein Künstler, ein Holzfäller und ein Gärtner, die in einem Wald spazieren gehen, machen sehr unterschiedliche Erfahrungen und nehmen sehr unterschiedliche Dinge wahr. Und so ist es auch wenn wir durch den Wald gehen und nach Wundern Ausschau halten, dann werden wir auch Wunder finden. Wenn wir durch den Wald gehen und nach Problemen Ausschau halten, werden wir auch Probleme finden. Oder wie das arabische Sprichwort es ausdrückt: „Wie ein Stück Brot aussieht, hängt davon ab, ob du hungrig bist oder nicht.“

Sehr eingeschränkte Einstellungen, Interessen und Wahrnehmungen lassen unsere Welt verarmen, machen sie vorhersagbar und langweilig. Genau dieselbe Welt kann reich und aufregend sein. Der Unterschied liegt nicht in der Welt, sondern in den Pullover-Stücken, durch die wir sie wahrnehmen. Sind wir achtsam, entdecken wir unsere herabgefallenen Maschen (Verstrickungen) und können sie hinterfragen und relativieren. Dadurch wird es oft einfacher, andere zu verstehen und von ihren “Pulloverstücken” vielleicht auch etwas zu lernen.

„Danke Mama, dass du meinen Lebensfaden begonnen hast zu stricken und danke für die wunderbaren kunstvollen Strickmuster.“

Welche Muster begleiten dich? Welche Verstrickungen möchtest du gerne lösen? Eine kinesiologische Sitzung ist wunderbar dafür geeignet, um deine Verstrickungen zu finden, zu erkennen und anschließend energetisch ins Gleichgewicht zu bringen.

 

Herzlichst Eure Gerda

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