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Welche Sprache spricht dein Partner? Vielleicht Zärtlichkeits-Portugiesisch?

Die Liebe spricht in einer Partnerschaft viele verschiedene Sprachen. Du denkst jetzt vielleicht: "Was meint sie damit? Liebe ist doch Liebe, oder?" Am Anfang einer Beziehung erlebt man wohl öfters, dass einem der Partner jeden Wunsch von den Augen abliest, weil beide ja himmelhochjauchzend ineinander verliebt sind und der Zauber des Anfangs wirkt. Je länger eine Paarbeziehung andauert, desto weniger werden unsere Wünsche wahrgenommen. Wir erwarten aber von unserem Gegenüber, dass er/sie noch genauso wie in der Verliebtheitsphase die Wünsche erkennt und sie bereitwillig erfüllt. Er/Sie hat  doch anfangs auch keine Worte für die Wunscherfüllung benötigt. Er/Sie müsste das doch wissen, was ich brauche, was ich mir wünsche... Aber selbst ein sehr achtsamer Partner kann sich nicht immer in die Bedürfnisse des Gegenübers einfühlen, schon gar nicht, wenn der Partner seine Wünsche nicht offen ausspricht. Dies führt dann irgendwann zu einem großen Missverständnis. Wir haben zwar nach wie vor die Absicht, unseren Partner Wünsche zu erfüllen, aber Liebe bedeutet ja nicht, hellsehen zu können.

Wohin dies führen kann, zeigt uns eine kleine Geschichte: Jeden Morgen schneidet ein liebevoller Ehemann, ein Brötchen auf und reicht seiner Frau die obere Hälfte. Sie nimmt dankend an. Beide seufzen. Nach 30 Jahren finden sie heraus, dass die Frau eigentlich viel lieber die untere Hälfte gegessen hätte, während der Mann eigentlich die obere Brötchenhälfte bevorzugte. Beide schwiegen aus Liebe und schenkten dem anderen die Brötchenhälfte, die sie selbst gern gehabt hätten.

Beste Absichten können schlimmste Missverständnisse hervorrufen und ein Paar in eine Krise führen. 

Der Paartherapeut Gary Chapman erkannte, dass es unterschiedliche Sprachen der Liebe gibt. Er vergleicht die persönliche Liebessprache auch mit einer Fremdsprache. Um eine optimale Kommunikation in einer Beziehung zu erreichen, ist es sinnvoll, dass beide Partner auch die Muttersprache des Anderen erlernen. Nach seiner Theorie werden beide sich dadurch nahezu immer gut verstanden fühlen.

Er unterteilte diese in fünf Kategorien:

1. Sprache der Liebe/Lob und Anerkennung

Menschen mit dieser Beziehungssprache loben die Menschen in ihrem Umfeld für alle möglichen und unmöglichen Dinge. Sie sehen oft tolle Leistungen bei anderen und haben auch die Gabe, dies auszusprechen. Mit lobenden und anerkennenden Worten zeigen sie den Menschen, die sie schätzen, ihren Respekt, ihre Liebe und letztlich auch ihre Anerkennung. Sehr oft fällt es diesen Menschen auch nicht auf, dass sie loben. Für sie ist es absolut selbstverständlich, dass Erfolge oder Leistungen mit Lob belohnt werden.

2. Sprache der Liebe/Zweisamkeit - die Zeit nur für dich

Menschen dieser Sprache fühlen sich geliebt und respektiert bei absoluter Zweisamkeit (gemeinsames Abendessen, ganzes Wochenende ohne Störung etc.). Es geht ihnen um die Zeit, die man bewusst gemeinsam verbringt. Darin liegt für sie eine hohe Qualität. Diese uneingeschränkte Aufmerksamkeit ist eine Beziehungsqualität, die sie in hohem Maße schätzen.

3. Sprache der Liebe/Geschenke, die von Herzen kommen

"Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft" ist das Motto dieser Menschen. Sie zeigen durch kleine Geschenke oder Aufmerksamkeiten den Menschen, die sie lieben, ihre Wertschätzung. Dabei spielt der materielle Wert keine Rolle. Gerade bei heranwachsenden Kindern, die erst ihre Liebessprache finden müssen, kann die Phase oft beobachtet werden. Der Geschenk-Typ schätzt es, wenn ein passendes Geschenk liebevoll ausgesucht wird. Für ihn ist es ein Zeichen der Wertschätzung, wenn sich jemand schon bei der Auswahl des Geschenkes Zeit für eine gelungene Überraschung nimmt.

4. Sprache der Liebe/Hilfsbereitschaft

Der Grundsatz "Wenn Du was benötigst, sage es einfach, ich helfe gerne" zählt zu den Aussagen der Menschen mit dieser Liebessprache. Sie helfen aus Leidenschaft gerne und zeigen ihrem Umfeld, ihren Lieben auf diese Art, dass sie sie lieben. Auch ihnen geht es nicht um die Größe einer Hilfeleistung. In der Partnerschaft können das scheinbar unwichtige Dienstleistungen sein.

5. Sprache der Liebe/Zärtlichkeit

Umarmungen und Streicheleinheiten für den Partner geben diesen Menschen ein sehr gutes Gefühl. Über Berührungen fühlen sie die Qualität der Beziehung und sie zeigen auch über Zärtlichkeiten ihre Liebe. Für sie zählt eine zärtliche Berührung mehr als die gesprochenen Worte "ich liebe dich". Der Liebesakt ist nur eine Form vom Austausch der Zärtlichkeiten. Wenn sie einen Partner mit der gleichen Berührungssprache haben, dann finden sie tausend Wege um ihre Liebe auch in der Öffentlichkeit mittels kleiner Zärtlichkeiten zu zeigen. Für diesen Typ ist jede dieser Berührungen ein Liebesbeweis.

 

All diese Faktoren sind sehr wichtig für das Gelingen einer Partnerschaft, aber bei jedem Menschen höchstwahrscheinlich unterschiedlich ausgeprägt. Zuerst einmal ist es ratsam, die eigene Sprache zu kennen und anschließend die des Partners zu erforschen. Nehmen wir einmal an deine Sprache der Liebe wäre Zärtlichkeit, die deines Mannes wäre Hilfsbereitschaft, dann könnte es in deiner Beziehung so aussehen: Jeden Morgen bringt er dir einen Kaffee ans Bett, er kümmert sich um einen Großteil des Haushaltes und nimmt dir alle erdenklichen Alltagsorganisationen ab. Du weißt seine Hilfsbereitschaft zu schätzen, aber eigentlich sehnst du dich nach einem liebevollen Blick, einer längeren Umarmung, einem innigen Kuss bei jeder Verabschiedung. Dein Mann genießt deine Zärtlichkeiten durchaus, richtig geliebt fühlt er sich jedoch nicht, weil du ihn im Alltag nicht genug unterstützt. Obwohl ihr doch beide alles unternehmt, um dem anderen die Liebe zu zeigen, fühlt ihr euch beide ungeliebt und alleingelassen. Auf der Kopfebene weißt du vielleicht, dass dein Partner dich liebt, aber emotional spürst du es nicht. Dein Liebeskonto wird nicht ausgeglichen, weil du und dein Partner eine jeweils fremde Währung einzahlt. Solange er Hilfsbereitschafts-Chinesisch spricht und du Zärtlichkeits-Portugiesisch, könnt ihr euch nicht verstehen.

Darum ist es wichtig, die Sprache des anderen zu erforschen, um Schritt für Schritt Vokabeln dieser Fremdsprache zu lernen. Wenn die Vokabeln von beiden gelernt und angewandt werden, verstehst du endlich die Sprache deines Partners und ihr fühlt euch miteinander viel wohler, weil das jeweilige Liebeskonto besser gefüllt ist.

Es ist nicht immer die Liebe, die verloren geht, wenn zwei Menschen sich "auseinanderleben", sondern das Unvermögen, Gefühle in Worte zu fassen, Missverständnisse in den Worten, die wir wählen, da jeder Mensch seine einzigartige Sprache spricht und sich mit der des Partners/der Partnerin nicht immer zurechtfindet.

 

Ich wünsche dir, dass du die Sprache deines Partners entschlüsselst und dadurch lebendige Kommunikation in deiner Partnerschaft gelebt werden kann, um den Zauber des Anfangs nicht ganz aus den Augen zu verlieren.

 

Herzlichst Eure Gerda

 

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