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Märchenstunden

Märchenstunden sind wahre Lehrstunden über das Leben, besonders für unsere Kinder. In jeder Geschichte wird eine wunderbare Wahrheit erzählt. Eines meiner Lieblingsmärchen, weil es hier auch ums "Nein" sagen geht, ist:

Vom Fischer und seiner Frau (Gebrüder Grimm)

Darum geht es in dem Märchen:

👉Suche nach Anerkennung
👉Bescheidenheit - Gier,
👉Genügsamkeit - Maßlosigkeit,
👉blinder Gehorsam - Zivilcourage,
👉Undank - Dankbarkeit

Kurzfassung:
Ein Fischer fängt einen Butt, der sprechen kann. Der Butt bittet den Fischer um sein Leben, er solle ihn doch frei lassen, da er ein verwunschener Prinz sei. Der Fischer wirft den Butt wieder ins Wasser und erzählt seiner Frau von dem wundersamen Ereignis. Die Ehefrau schimpft den Fischer wegen seiner Naivität: Er hätte doch den Butt bitten können, ihm einen Wunsch zu gewähren - ein kleines Häuschen wäre genau das Richtige. Also macht sich der Fischer auf, ruft den Butt und teilt ihm den Wunsch seiner Frau mit. "Geh nur hin", erwidert der Butt, "sie hat es schon."
Kaum ist der Wunsch in Erfüllung gegangen, ist die Fischersfrau auch schon wieder unzufrieden mit dem Ergebnis.
Das größere Häuschen soll ein Schloss werden - kaum hat sie das Schloss, will sie erst zum König und schließlich sogar zum Kaiser ernannt werden. Jeder erfüllte Wunsch weckt eine noch größere Begierde in ihr: Papst will sie sein. Und schließlich verlangt sie von dem Butt: Sie will werden wie der liebe Gott.
Alle Wünsche werden von dem Butt immer wieder brav erfüllt, doch nach dem letzten Wunsch sitzen der Fischer und seine Frau wieder vor ihrer alten Fischerhütte, und alles ist so wie am ersten Tag.

Was spricht das Märchen an?

  • Etwas sehr Aktuelles - die ewige Unzufriedenheit
  • Wir sind umgeben von Waren, und die Medien suggerieren: Wir brauchen noch mehr, viel mehr, um glücklich zu sein. Die Wirtschaft basiert auf Wachstum. Ich kaufe mir ein Auto, und in einem Jahr kaufe ich mir ein neues........ Suggestion der Wirtschaft: Es wird dir besser gehen, wenn du dieses oder jenes kaufst.
  • Bei Kindern: "Mama, ich hätte gerne dieses neue Spiel" und schon kauft man es, obwohl es zu Weihnachten auch gepasst hätte. Einem Kind nimmt das die Freude.
  • Geben Eltern den Wünschen zu schnell nach, bringen sie die Kinder auch um die Vorfreude. Wenn ich alles sofort bekomme, kann ich nichts mehr ersehnen.

Wünsche erfüllen, aber mit Augenmaß.
In der Familie muss es ein "Nein" geben, wenn die Begehrlichkeiten zu groß werden - den eigenen Wünschen gegenüber ebenso wie denen der Kinder.
Hin spüren, was sich das Kind denn wirklich wünscht.
Das Beispiel des Fischers führt uns klar vor Augen, was passiert, wenn man kein Maß kennt. Natürlich ist ein Herzenswunsch es wert, erfüllt zu werden. Die Dauer und Beharrlichkeit, mit der sich ein Kind für etwas begeistert, signalisiert einen solchen echten Wunsch. Die anderen Wünsche aber, die wie ein Strohfeuer aufflackern, wieder verlöschen und durch neue Wünsche ersetzt werden, verlangen nicht nach Erfüllung. Das Wünschen selbst ist dabei Spaß genug.

Hätte die Fischersfrau auch nur ein wenig dafür tun müssen, um in den Genuss der Herrlichkeiten zu kommen - sie hätte sicherlich gemerkt, wann es genug ist mit der Wünscherei.

Fragen die du deinen Kindern stellen kannst:

👉Wieso sitzen der Fischer und seine Frau wieder vor der Hütte?
👉Die Frau hat so viel geschenkt bekommen - warum war sie dann immer unzufrieden?
👉Warum wollte die Frau so sein wie Gott?
👉Ist der Fischer am Ende böse auf seine Frau oder erleichtert?
👉Was würdest du dir denn von dem Butt wünschen?
👉Hast du es schon einmal erlebt, dass du etwas geschenkt bekommen hast und trotzdem nicht froh warst?
👉Warum möchten manche Menschen wohl immer mehr haben?
👉Was braucht man zum Leben?
👉Was  ist denn wichtig im Leben?

Ich wünsche dir viel Spaß beim Vorlesen und Gespräche führen.

 

Genieße die Zeit mit deinem Kind!

 

Herzlichst Deine Gerda

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